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(email vom Mai 2008)
Sehr geehrter Herr Figge!
Mit etwas Verspätung komme ich der Bitte von Frau Schmid gerne nach und
schicke Ihnen ein paar Bilder von Ulan in seiner jetzigen Tätigkeit + einen
kurzen Bericht von meiner (= unserer gemeinsamen) Arbeit.
Seit 1999 biete ich das heilpädagogische Voltigieren
(HPV) im "Josefinum", dem sozialpädagogischen
und therapeutischen Zentrum für Kinder und Jugendliche
an. Vorher war ich dort etliche Jahre als Erzieherin
tätig. Das Josefinum liegt südlich von Klagenfurt,
der Landeshauptstadt in Kärnten (A) und ist Wohn-und
Bildungsstätte für 110 Kinder und Jugendliche
mit besonderen Bedürfnissen.
Unter heilpädagogischem Voltigieren(HPV) versteht
man pädagogische, psychotherapeutische und rehabilitative
Maßnahmen- wo individuelle Lernprozesse gefördert
werden. Das HPV wird erfolgreich angewandt bei Verhaltensauffälligkeiten,
Wahrnehmungsstörungen, Lernschwäche, groß-
und feinmotorischen Defiziten wie auch bei Kontaktarmut, Ängstlichkeit,
verminderter Frustrationstoleranz usw.
Diese belastenden Verhaltensweisen werden durch psychosoziale
Kontaktaufnahme zum Pferd positiv beeinflusst. Das
Pferd wirkt als Co-Therapeut. Durch die Bewegungsimpulse
- im Schritt, Trab, Galopp - werden die Bewegungsgrundlagen
wie Gleichgewicht, Koordination, Reaktion, Rhythmus
u.v.m. geschult. Die Kinder und Jugendlichen lernen
Bewegungen gezielt wahrzunehmen, zu planen und auszuführen.
Ein weiterer Aspekt ist die Stärkung des Selbstvertrauens,
des Selbstwertes sowie eine merkliche Verbesserung
des allgemeinen Wohlbefindens. In Ruhe und Entspannung
finden die Kinder und Jugendlichen eher zu sich selbst.
Arbeiten wie Pferdepflege, Fütterung, Stallarbeit
u.a. werden von Kindern und Jugendlichen gerne übernommen
und verrichtet. Darüber hinaus lernen sie Verantwortung
zu übernehmen.
Positive Veränderungen werden geschaffen, es stärkt
das Selbstwertgefühl und wirkt sich positiv auf
die gesamte Persönlichkeit der Kindern und Jugendlichen
aus. Das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit
wächst.
Die Mensch - Pferd - Beziehung ist eine Basis, die
viele verschiedene Ansatzpunkte bietet und individuell
angewendet werden kann.
Ich wünsche Ihnen alles Liebe und Gute und schöne
Grüsse an die Schweiz
Anica Maletz-Zablatnik
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Jetzt komme ich gerne der Bitte nach und berichte
- nicht ganz ohne Stolz - wie aus
dem RENNPFERD
ULAN ein VOLTIGIERPFERD wurde.
Wie kam ich überhaupt zu Ulan? Über meine sehr gute Bekannte Brigitte
Winkler, die zur damaligen Zeit mit ihrem Mann im Rennstall arbeitete, kam ich
zu Ulan.
Als simple Freizeitreiterin hatte ich eine durchschnittliche Ahnung von Pferden
- ganz sicher aber überhaupt keine von Vollblütern geschweige Rennpferden.
Vielleicht gut so, denn voller Elan, Zielstrebigkeit, Zuversicht und Euphorie
ging ich an die Vorbereitungsarbeit wie Umstellung bzw. Einschulung des Pferdes.
Ulan belehrte mich natürlich eines Besseren- er spielte einfach nicht mit.
Dieser arme Kerl kannte kein ruhiges Stehenbleiben, keinen langsamen Trab und
schon gar nicht ein ewiges Warten bis endlich Jemand auf seinem Rücken
saß. So war ich am Anfang oft der Verzweiflung nahe und holte Rat bei Brigitte
Winkler.
Sie gab mir nicht nur gute Ratschläge, sondern kam ein paar Mal unentgeltlich
nach Kärnten um mir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. (An dieser Stelle
möchte ich mich bei ihr noch mal recht herzlich bedanken - denn ich war
am Anfang oft drauf und dran das Pferd zu verkaufen- Brigitte gab mir die Zuversicht
und Motivation durchzuhalten)
Mit VIEL Geduld (die vor allem ICH lernen musste) und diversen Kursen wie z.B.
gewaltfreies Reiten u.ä. - lernten wir uns mit Ulan immer besser kennen,
einander verstehen, gegenseitig respektieren...... Eine innige Beziehung
entstand - heute ist Ulan bei seiner Arbeit wie auch in MEINEM LEBEN
NICHT MEHR WEG ZU DENKEN!
Er leistet enorm gute Arbeit und ist
der absolute Liebling der Kinder, obwohl er sehr deutlich
und direkt zeigen kann, wenn ihm etwas nicht behagt
oder gefällt.
Die Kinder können das gut annehmen
und verstehen es, denn sie projizieren es auf sich
( z.B. ich mag ja auch nicht, dass mich jeder angreift
o. ä.)
Ulan ist DAS Pferd für meine Arbeit- er ist sehr
zugänglich, trägt die Kinder mit Ausdauer
und Geduld, hat einen harmonischen, ruhigen Trab. Die
Kinder lieben es am Ulan zu sitzen und von ihm getragen
und geschaukelt zu werden. Er genießt das Streicheln
und Putzen (am Anfang ein Problem), hebt von alleine
(auf d. Kommando "Fuss") die Füsse und
lässt sich vom kleinsten Knirps am Strick führen.
Ulan teilt seine Arbeit als Voltigierpferd mit
seinem "Teamkollegen" und dicken Freund
Timor (Mischung - Lippizaner und ??).
Wenige Eigenheiten sind Ulan bis heute geblieben: Angst
vor dem Tierarzt- er chnaubt und fängt an zu tänzeln
sobald er ihn "riecht", am Bauch und
den Flanken ist er sehr empfindlich - schlägt
hart mit dem Schweif, vor allem ist Ulan aber
noch schreckhaft bei allen Dingen , die über
seinem Kopf (Körper) geschehen(z.B. die Decke
wird zu hoch auf den Pferderücken geschwungen – da
reisst er erschrocken den Kopf hoch).
Alles- ob Eigenheiten oder "Schrullen" beider
Pferde - binde ich in meine Arbeit ein- in dem ich
es zum Thema mache. Die Kinder erfahren und lernen,
dass - wie der Mensch - auch das Tier auf viele Dinge
positiv ( z.B. erfreut) oder eben negativ (z.B. ängstlich)
reagieren kann.
Sie können es wahrscheinlich zwischen den Zeilen
lesen mit welchen Gefühlen ich über meinen
(unseren) Ulan berichtet habe!
Ich verbleibe mit freundlichen Grüssen
Anica Maletz- Zablatnik
Ps: Erwähnenswert ist noch, dass ich mit Ulan
(als Ausgleich) seit Herbst mit Privattrainerin Western
reite.
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