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ULAN
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Ulan geb. 1993
Kondor / Udine

(email vom Mai 2008)
Sehr geehrter Herr Figge!

Mit etwas Verspätung komme ich der Bitte von Frau Schmid gerne nach und schicke Ihnen ein paar Bilder von Ulan in seiner jetzigen Tätigkeit + einen kurzen Bericht von meiner (= unserer gemeinsamen) Arbeit.

Seit 1999 biete ich das heilpädagogische Voltigieren (HPV) im "Josefinum",  dem sozialpädagogischen und therapeutischen Zentrum für Kinder und Jugendliche an. Vorher war ich dort etliche Jahre als Erzieherin tätig. Das Josefinum liegt südlich von Klagenfurt, der Landeshauptstadt in Kärnten (A) und ist Wohn-und Bildungsstätte für 110 Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen.

Unter heilpädagogischem Voltigieren(HPV) versteht man pädagogische, psychotherapeutische und rehabilitative Maßnahmen- wo individuelle Lernprozesse gefördert werden. Das HPV wird erfolgreich angewandt bei Verhaltensauffälligkeiten, Wahrnehmungsstörungen, Lernschwäche, groß- und feinmotorischen Defiziten wie auch bei Kontaktarmut, Ängstlichkeit, verminderter Frustrationstoleranz usw.
Diese belastenden Verhaltensweisen werden durch psychosoziale Kontaktaufnahme zum Pferd positiv beeinflusst. Das Pferd wirkt als Co-Therapeut. Durch die Bewegungsimpulse - im Schritt, Trab, Galopp - werden die Bewegungsgrundlagen wie Gleichgewicht, Koordination, Reaktion, Rhythmus u.v.m. geschult. Die Kinder und Jugendlichen lernen Bewegungen gezielt wahrzunehmen, zu planen und auszuführen.

Ein weiterer Aspekt ist die Stärkung des Selbstvertrauens, des Selbstwertes sowie eine merkliche Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens. In Ruhe und Entspannung finden die Kinder und Jugendlichen eher zu sich selbst.

Arbeiten wie Pferdepflege, Fütterung, Stallarbeit u.a. werden von Kindern und Jugendlichen gerne übernommen und verrichtet. Darüber hinaus lernen sie Verantwortung zu übernehmen.

Positive Veränderungen werden geschaffen, es stärkt das Selbstwertgefühl und wirkt sich positiv auf die gesamte Persönlichkeit der Kindern und Jugendlichen aus. Das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit wächst.

Die Mensch - Pferd - Beziehung ist eine Basis, die viele verschiedene Ansatzpunkte bietet und individuell angewendet werden kann.

Ich wünsche Ihnen alles Liebe und Gute und schöne Grüsse an die Schweiz
Anica Maletz-Zablatnik
Silva
Silva

Jetzt komme ich gerne der Bitte nach und berichte - nicht ganz ohne Stolz - wie aus dem  RENNPFERD ULAN ein  VOLTIGIERPFERD    wurde.

Wie kam ich überhaupt zu Ulan? Über meine sehr gute Bekannte Brigitte Winkler, die zur damaligen Zeit mit ihrem Mann im Rennstall arbeitete, kam ich zu Ulan.
 
Als simple Freizeitreiterin hatte ich eine durchschnittliche Ahnung von Pferden - ganz sicher aber überhaupt keine von Vollblütern geschweige Rennpferden. Vielleicht gut so, denn voller Elan, Zielstrebigkeit, Zuversicht und Euphorie ging ich an die Vorbereitungsarbeit wie Umstellung bzw. Einschulung des Pferdes.
Ulan belehrte mich natürlich eines Besseren- er spielte einfach nicht mit. Dieser arme Kerl kannte kein ruhiges Stehenbleiben, keinen langsamen Trab und schon gar nicht ein ewiges Warten bis endlich Jemand auf seinem  Rücken saß. So war ich am Anfang oft der Verzweiflung nahe und holte Rat bei Brigitte Winkler.
Sie gab mir nicht nur gute Ratschläge, sondern kam ein paar Mal unentgeltlich nach Kärnten um mir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. (An dieser Stelle möchte ich mich bei ihr noch mal recht herzlich bedanken - denn ich war am Anfang oft drauf und dran das Pferd zu verkaufen- Brigitte gab mir die Zuversicht und Motivation durchzuhalten)

Mit VIEL Geduld (die vor allem ICH lernen musste) und diversen Kursen wie z.B. gewaltfreies Reiten u.ä. - lernten wir uns mit Ulan immer besser kennen, einander verstehen, gegenseitig respektieren......  Eine innige Beziehung entstand - heute ist Ulan bei seiner  Arbeit  wie auch in MEINEM LEBEN NICHT MEHR WEG ZU DENKEN!

Er leistet enorm gute Arbeit und ist der absolute Liebling der Kinder, obwohl er sehr deutlich und direkt zeigen kann, wenn ihm etwas nicht behagt oder gefällt. Die Kinder können das  gut  annehmen und verstehen es, denn sie projizieren es auf sich ( z.B. ich mag ja auch nicht, dass mich jeder angreift o. ä.)
Ulan ist DAS Pferd für meine Arbeit- er ist sehr zugänglich, trägt die Kinder mit Ausdauer und Geduld, hat einen harmonischen, ruhigen Trab. Die Kinder lieben es am Ulan zu sitzen und von ihm getragen und geschaukelt zu werden. Er genießt das Streicheln und Putzen (am Anfang ein Problem), hebt von alleine (auf d. Kommando "Fuss") die Füsse und lässt sich vom kleinsten Knirps am Strick führen.
  
Ulan teilt seine Arbeit als Voltigierpferd  mit seinem "Teamkollegen" und dicken Freund Timor (Mischung - Lippizaner und ??).
 
Wenige Eigenheiten sind Ulan bis heute geblieben: Angst vor dem Tierarzt- er chnaubt und fängt an zu tänzeln sobald er ihn "riecht",  am Bauch und den Flanken ist er sehr empfindlich - schlägt hart mit dem Schweif,  vor allem ist Ulan aber noch schreckhaft bei allen Dingen , die über seinem Kopf (Körper) geschehen(z.B. die Decke wird zu hoch auf den Pferderücken geschwungen – da reisst er erschrocken den Kopf hoch).

Alles- ob Eigenheiten oder "Schrullen" beider Pferde - binde ich in meine Arbeit ein- in dem ich es zum Thema mache. Die Kinder erfahren und lernen, dass - wie der Mensch - auch das Tier auf viele Dinge positiv ( z.B. erfreut) oder eben negativ (z.B. ängstlich) reagieren kann.

Sie können es wahrscheinlich zwischen den Zeilen lesen mit welchen Gefühlen ich über meinen (unseren) Ulan berichtet habe!
Ich verbleibe mit freundlichen Grüssen
Anica Maletz- Zablatnik

Ps: Erwähnenswert ist noch, dass ich mit Ulan (als Ausgleich) seit Herbst mit Privattrainerin Western reite.